Urlaubsgeld 2026: Wann du als Arbeitgeber zahlen musst, wie viel üblich ist, wie es versteuert wird und wann du es bei Kündigung zurückfordern kannst.
Jedes Jahr im Frühsommer fragen sich viele Arbeitgeber dasselbe: Müssen wir Urlaubsgeld zahlen? Wenn ja, wie viel, wann und an wen, und wie rechnen wir es ab? Das hängt davon ab, worauf der Anspruch beruht.
Besteht eine Zahlungspflicht?
Das deutsche Recht kennt kein gesetzliches Urlaubsgeld. Das Bundesurlaubsgesetz regelt den Urlaubsanspruch und das Urlaubsentgelt (also den Lohn während des Urlaubs), aber nicht eine zusätzliche Sonderzahlung zum Urlaub. Zahlen musst du nur, wenn eine dieser Grundlagen besteht:
- Tarifvertrag mit entsprechender Regelung
- Betriebsvereinbarung
- Einzelarbeitsvertrag mit Urlaubsgeldklausel
- Betriebliche Übung
Fehlen alle vier, ist Urlaubsgeld eine freiwillige Leistung. Zahlst du es trotzdem mehrere Jahre lang ohne Freiwilligkeitsvorbehalt, kann daraus eine betriebliche Übung entstehen, und die bindet dich rechtlich.
Achtung betriebliche Übung: Wer Urlaubsgeld drei Jahre in Folge ohne schriftlichen Freiwilligkeitsvorbehalt zahlt, riskiert einen dauerhaften Anspruch. Weise freiwillige Zahlungen deshalb mit einem ausdrücklichen Vorbehalt aus, etwa so: „Diese Leistung ist freiwillig und begründet keinen Rechtsanspruch für die Zukunft."
Rechtliche Grundlagen des Anspruchs
Tarifvertrag
In vielen Branchen schreibt der Tarifvertrag Urlaubsgeld vor und bestimmt auch dessen Höhe. Arbeitgeber, die tarifgebunden sind (Mitglied im Arbeitgeberverband), müssen sich genau an die tarifliche Regelung halten. Tarifliches Urlaubsgeld gibt es zum Beispiel in der Metall- und Elektroindustrie, im Baugewerbe, im Einzelhandel (je nach Bundesland) und im öffentlichen Dienst.
Betriebsvereinbarung
Auch eine Betriebsvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat kann Urlaubsgeld regeln. Sie gilt für alle Arbeitnehmer im Betrieb, unabhängig vom individuellen Arbeitsvertrag.
Individualvertrag
Steht Urlaubsgeld im Arbeitsvertrag, entsteht ein individueller Anspruch. Fehlt im Vertrag ein Freiwilligkeitsvorbehalt, ist das Urlaubsgeld für das laufende Jahr grundsätzlich fällig.
Höhe des Urlaubsgelds
Ohne tarifliche oder betriebliche Vorgabe ist die Höhe frei. Üblich sind diese Modelle:
- Pauschalbetrag: Fixer Geldbetrag, unabhängig vom Gehalt (z. B. 500 € pro Jahr)
- Prozentsatz des Monatsgehalts: Häufig 50 %, manchmal 100 % eines Bruttomonatsgehalts
- Prozentsatz des Urlaubsentgelts: Bezogen auf das Entgelt während des Urlaubs
In der Metallindustrie können es mehrere Hundert bis über 1.000 Euro sein, je nach Lohngruppe und Tarifgebiet.
Fälligkeit und Auszahlungszeitpunkt
Der übliche Auszahlungszeitpunkt ist Mai oder Juni, bevor die Haupturlaubssaison beginnt. Tarifverträge regeln den Zeitpunkt oft auf den Monat genau. Ohne Regelung legst du den Zeitpunkt selbst fest.
Hat ein Arbeitnehmer bei Fälligkeit schon gekündigt (oder hast du ihm gekündigt), besteht der Anspruch grundsätzlich trotzdem. Anders ist es, wenn der Vertrag die Zahlung an ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Stichtag knüpft. Solche Stichtagsklauseln sind grundsätzlich zulässig.
Stichtagsklausel: Eine Klausel wie „Das Urlaubsgeld wird nur gezahlt, wenn das Arbeitsverhältnis am 30. Juni ungekündigt besteht" ist rechtlich zulässig. Sie muss klar formuliert und im Vertrag enthalten sein.
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Versteuerung und Sozialversicherung
Eine Steuervergünstigung gibt es für Urlaubsgeld nicht, es ist regulär lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. Einmal im Jahr gezahlt, ist es lohnsteuerlich ein sonstiger Bezug. R 39b.2 Abs. 2 LStR nennt ausdrücklich „Urlaubsgelder, die nicht fortlaufend gezahlt werden“.
Es wird deshalb nicht einfach zum Monatslohn addiert. Der Arbeitgeber ermittelt die Jahreslohnsteuer einmal ohne und einmal mit dem Urlaubsgeld, § 39b Abs. 3 EStG Satz 8: „Der Unterschiedsbetrag zwischen den ermittelten Jahreslohnsteuerbeträgen ist die Lohnsteuer, die vom sonstigen Bezug einzubehalten ist.“
Einen festen Pauschsteuersatz gibt es für Urlaubsgeld nicht. § 40 Abs. 2 EStG sieht ihn nur für einzelne Leistungen vor, für Fahrtkostenzuschüsse etwa „mit einem Pauschsteuersatz von 15 Prozent“ (Satz 2 Nr. 1).
Rückzahlungsklauseln
Kündigt ein Mitarbeiter kurz nach der Auszahlung, möchtest du das Geld vielleicht zurück. Das geht nur mit einer Rückzahlungsklausel, und die ist an Bedingungen geknüpft.
Die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) lässt Rückzahlungsklauseln unter diesen Voraussetzungen zu:
- Die Bindungsdauer muss in einem angemessenen Verhältnis zur Höhe des Urlaubsgelds stehen
- Bindungsfristen von mehr als 6 Monaten nach Auszahlung sind bei einfachen Sonderzahlungen regelmäßig unzulässig
- Die Klausel muss klar und verständlich formuliert sein (§ 307 BGB)
Fehlt eine wirksame Rückzahlungsklausel, kann das gezahlte Urlaubsgeld nicht zurückgefordert werden, auch nicht, wenn der Mitarbeiter kurz danach ausscheidet.
Teilzeit und Urlaubsgeld
Teilzeitkräfte haben, wenn ein Anspruch besteht, einen anteiligen Anspruch auf Urlaubsgeld, proportional zu ihrer Arbeitszeit. Eine Klausel, die Teilzeitkräfte ganz vom Urlaubsgeld ausschließt, wäre nach § 4 TzBfG unzulässig. Gleiches gilt für Minijobber: Auch sie haben anteiligen Anspruch, sofern die Grundlage dies vorsieht.
Beispiel: 50-%-Teilzeitkraft, volles Urlaubsgeld für Vollzeit wäre 1.000 Euro → Anspruch: 500 Euro brutto.
Fazit
Kein Gesetz schreibt Urlaubsgeld vor. In vielen Unternehmen machen Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag es trotzdem verbindlich. Zahlst du freiwillig, gehört ein Freiwilligkeitsvorbehalt dazu, sonst entsteht nach einigen Jahren eine betriebliche Übung. In der Abrechnung ist Urlaubsgeld voll lohnsteuer- und SV-pflichtig. Eine Rückzahlungsklausel setzt du nur durch, wenn sie klar formuliert ist und eine angemessene Bindungsfrist hat.
Häufige Fragen
Muss ein Arbeitgeber Urlaubsgeld zahlen?
Nein, es gibt keine gesetzliche Pflicht zur Zahlung von Urlaubsgeld. Eine Zahlungspflicht entsteht nur durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung, Einzelarbeitsvertrag oder betriebliche Übung. Fehlt eine dieser Grundlagen, besteht kein Anspruch.
Wie wird Urlaubsgeld versteuert?
Urlaubsgeld ist vollständig lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. Einmal im Jahr gezahlt, ist es lohnsteuerlich ein sonstiger Bezug: Die Lohnsteuer darauf ergibt sich aus dem Unterschied der Jahreslohnsteuer mit und ohne das Urlaubsgeld (§ 39b Abs. 3 EStG), nach den individuellen Lohnsteuermerkmalen des Arbeitnehmers. Einen festen Pauschsteuersatz gibt es für Urlaubsgeld nicht.
Wann verfällt der Anspruch auf Urlaubsgeld?
Das hängt von der Grundlage des Anspruchs ab. Tarifverträge sehen häufig Ausschlussfristen von 3 bis 6 Monaten vor. Ohne besondere Regelung gilt die reguläre Verjährungsfrist von 3 Jahren (§ 195 BGB). Bei Ausschlussklauseln im Arbeitsvertrag können kürzere Fristen gelten, zum Beispiel 2 Monate nach Fälligkeit.
Muss Urlaubsgeld bei Kündigung anteilig zurückgezahlt werden?
Nur wenn es eine entsprechende Rückzahlungsklausel im Vertrag oder Tarifvertrag gibt. Ohne solche Klausel ist eine Rückforderung nicht möglich. Rückzahlungsklauseln sind bis zu einem gewissen Grad zulässig, dürfen den Arbeitnehmer aber nicht unangemessen benachteiligen.
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